MöglicheAnzeichen und Symptome von FASD
Neurokognitive und verhaltensbezogene Defizite, die mit Fetaler Alkoholspektrumstörung (FASD) im Zusammenhang stehen, können sich im Laufe des Lebens unterschiedlich manifestieren. Dies spiegelt sowohl die Heterogenität als auch die entwicklungsbedingte Ausprägung von FASD wider.
Neben den neurologischen Entwicklungsstörungen, welche die Hauptursache für funktionelle Einschränkungen sind, können teilweise körperliche Auffälligkeiten auftreten, insbesondere beim Fetalen Alkoholsyndrom (FAS):
- Wachstumsauffälligkeiten (vor und nach der Geburt)
- charakteristische Gesichtsmerkmale (z.B. kurze Lidspalten, glattes Philtrum, schmale Oberlippe)
- mögliche Fehlbildungen der Organe können das Herz, die Nieren, den Bewegungsapparat, Augen (z.B. Schielen) und Ohren (z.B. Hörbehinderung) betreffen.

Im Säuglingsalter
Im Säuglingsalter zeigen sich häufig unspezifische, aber auffällige Beeinträchtigungen der neurologischen Regulation und Entwicklung, unter anderem dem Schlaf, dem Saugreflex und der Motorik (1,2,11):
- Überempfindlichkeit oder verminderte Reaktion auf Sinnesreize (z.B. Geräusche, Licht oder Berührungen)
- Entwicklungsverzögerungen
- Erhöhter oder verringerter Muskeltonus, geringerer Saug- und Schluckreflex, Trinkschwäche und Gedeihstörungen
- Schlafstörungen (Probleme mit Einschlafen und Durchschlafen)
- Persistierende motorische Entwicklungsstörungen (Gleichgewicht, Koordination)
- Regulationsstörungen: Schwierigkeiten, sich zu beruhigen, erhöhte Reizbarkeit und übermässiges Schreien
Kinder im Vorschulalter
Im Vorschulalter werden zunehmend Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten sichtbar, insbesondere im Bereich der Alltagsbewältigung und Emotionsregulation (1,2,11):
- Verzögerte sprachliche, motorische oder kognitive Entwicklung
- Schwierigkeiten bei alltäglichen Routinen (z. B. Anziehen, Struktur im Alltag)
- Probleme in der Emotionsregulation (z. B. langanhaltende Wutanfälle)
- Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme
- Schwierigkeiten im sozialen Verständnis (z. B. soziale Regeln erkennen, Grenzen einhalten, Unterscheidung zwischen vertrauten und fremden Personen)
Im Schulalter
Im Schulalter werden kognitive und exekutive Beeinträchtigungen oftmals deutlicher, neurologische Beeinträchtigungen wirken sich unter anderem auf das Erlernen grundlegender Konzepte, das Zeitverständnis sowie die Fähigkeit zum abstrakten Denken aus (1,2):
- Schwierigkeiten beim Lernen von Grundkenntnissen (Lesen, Schreiben, Rechnen)
- Schwierigkeiten bei komplexeren kognitiven Anforderungen (z.B. Textverständnis, mathematisches Denken)
- Eingeschränkte Abstraktions- und Verallgemeinerungsfähigkeit
- Schwierigkeiten beim Planen, Zeiteinteilung, Organisation und Umgang mit Geld
- Schwierigkeiten im Verständnis von Ursache-Wirkung-Zusammenhänge und Konsequenzen
- Probleme beim Abrufen und Übertragen von bereits Gelerntem auf neue Situationen
Im Jugendalter
Im Jugendalter treten häufig zunehmende Schwierigkeiten im Alltag und in der sozialen sowie schulischen Anpassung auf (1,3).
- Defizite bei Gedächtnisleistungen, Aufmerksamkeit und exekutiven Funktionen
- Schwierigkeiten bei der Regulierung von Emotionen und Verhalten
- Eingeschränktes Urteilsvermögen und Problemlösen
- Erhöhte Beeinflussbarkeit durch andere Personen
- Schwierigkeiten im sozialen Verständnis und in der Einschätzung sozialer Situationen
Häufig entstehen daraus sogenannte sekundäre Probleme, insbesondere (1–3):
- anhaltende Probleme in der Schule
- Schulabbruch oder geringer Bildungsabschluss
- Konflikte mit Regeln oder dem Gesetz
- erhöhtes Risiko für den Missbrauch illegaler Substanzen und von Alkohol
- psychische Belastungen
Im Erwachsenenalter
Viele Erwachsene mit Fetaler Alkoholspektrumstörung (FASD) zeigen weiterhin anhaltende Schwierigkeiten in der Alltagsbewältigung. Der Unterstützungsbedarf kann individuell sehr unterschiedlich sein. Sie benötigen möglicherweise Unterstützung bei (1,11,12):
- Planung und Organisation des Alltags
- Umgang mit Finanzen und Behörden
- Zeitmanagement und Strukturierung von Aufgaben
- soziale Orientierung und Verständnis von Regeln und Konsequenzen
Ohne angemessene Unterstützung können sogenannte sekundäre Beeinträchtigungen auftreten, darunter:
- Schwierigkeiten, stabile soziale und berufliche Beziehungen einzugehen
- erhöhtes Risiko für psychische Folgeerkrankungen (z. B. Depressionen, Angststörungen)
- erhöhtes Risiko für Suchterkrankungen