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Was ist FASD?

Die pränatale Alkoholexposition kann zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Beeinträchtigungen beim Kind führen. Diese werden unter dem Sammelbegriff Fetal Alcohol Spectrum Disorder (FASD; deutsch: Fetale Alkoholspektrumstörung) zusammengefasst. Dazu gehören das Fetale Alkoholsyndrom (FAS), die schwerste und am deutlichsten erkennbare Form mit charakteristischen Gesichtsmerkmalen, das partielle Fetale Alkoholsyndrom (pFAS) sowie alkoholbedingte entwicklungsneurologische Störungen (ARND). Die verwendeten Diagnosebegriffe und Klassifikationen unterscheiden sich teilweise zwischen den Ländern. Der Begriff FASD dient deshalb als Oberbegriff für alle Störungen, die durch eine pränatalen Alkoholexposition verursacht werden (1).

In der 11. Revision der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-11) ist FAS als eigenständige Diagnose unter dem «Kode LD2F.00 (Fetales Alkoholsyndrom)» aufgeführt. Die weiteren Ausprägungen des Fetalen Alkoholspektrums, wie pFAS oder ARND werden unter dem Punkt «6A0Y Neuromentales Entwicklungssyndrom durch pränatale Alkoholexposition» in der ICD-11 eingeordnet.

Obwohl FASD als eine der häufigsten neurologischen Entwicklungsstörungen und als Hauptursache für vermeidbare Entwicklungsbeeinträchtigungen gilt, wird es oft nicht ausreichend diagnostiziert oder mit anderen Störungen verwechselt. Dies ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Diagnose besonders schwierig ist und ausser bei FAS auf die Anamnese des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft stützt. Derzeit gibt es keinen biologischen Marker, der die Diagnose erleichtern könnte. Die durch die pränatale Alkoholexposition verursachten Veränderungen des Gehirns sind irreversibel. Jedoch können eine frühzeitige Diagnose sowie eine bedarfsgerechte Unterstützung und Förderung dazu beitragen, die Auswirkungen zu mildern und die Entwicklung sowie die Lebensqualität der Person zu verbessern (1,2).

Zu den den möglichen Folgen von FASD zählen: Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen, psychomotorische Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensstörungen und Störungen sozialer Interaktionen, der Sprach- und Kommunikationsentwicklung sowie Lernschwierigkeiten (1–3).

Diagnostische Herausforderungen

Aus verschiedenen Gründen ist die Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD) häufig schwer zu diagnostizieren.

  • Die charakteristischen Gesichtsmerkmale können sowohl beim Fetalen Alkoholsyndrom (FAS) als auch beim partiellen Fetalen Alkoholsyndrom (pFAS) auftreten. Viele Menschen mit FASD weisen jedoch keine auffälligen Gesichtsmerkmale auf. Dadurch wird FASD oft nicht erkannt oder mit anderen neurologischen Entwicklungsstörungen wie einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) oder anderen Verhaltensstörungen verwechselt (4).
  • Menschen mit FASD weisen häufig Beeinträchtigungen in verschiedenen Bereichen auf, welche von Person zu Person variieren können. Im Vergleich zu anderen neurologischen Entwicklungsstörungen zeigen sie insgesamt häufiger eine verminderte intellektuelle Leistungsfähigkeit sowie Defizite in den Bereichen Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistungen und exekutive Funktionen auf (4).

Prävalenz

Die Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD) gehört zu den häufigsten vermeidbaren Ursachen neurologischer Entwicklungsstörungen. Schätzungen gehen davon aus, dass in Europa zwischen 1 und 4% aller Neugeborenen von FASD betroffen sind. Für die Schweiz entspricht dies schätzungsweise Davon weisen rund 170 bis 400 Kinder ein Fetales Alkoholsyndrom (FAS) auf. Die Prävalenz von FASD wird für Europa höher geschätzt als im weltweiten Durchschnitt (5).