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Daten zum Alkoholkonsum in der Schwangerschaft liefert die Umfrage von Sucht Schweiz[1]. Zahlen aus der Schweizerischen Gesundheitsbefragung liefern Hinweise auf den Konsum psychoaktiver Substanzen bei Frauen im gebärfähigen Alter (15 bis 44 Jahre)[2].

Alkoholkonsum

Prävalenz

Betrachtet man die Frauen im gebärfähigen Alter in der Schweiz, so ergibt sich folgendes Bild:

Die Gesundheitsbefragung 2022 zeigt, dass fast die Hälfte der 20- bis 44-Jährigen regelmässig (d.h. mindestens einmal pro Woche) Alkohol trinkt[2]. Auch punktueller Risikokonsum (mehr als vier Standardgetränke pro Gelegenheit) kommt relativ häufig vor, besonders in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen, in der fast ein Viertel der Frauen einmal im Monat oder häufiger viel Alkohol auf einmal trinkt[3].

Eine von Sucht Schweiz (2026) durchgeführte Umfrage mit mehr als 800 schwangeren Frauen in der Schweiz liefert Erkenntnisse über deren Alkoholkonsum. Die Ergebnisse zeigen vier unterschiedliche Profile unter den teilnehmenden schwangeren Frauen: Frauen, die vor und während der Schwangerschaft vollständig abstinent waren (etwa jede Fünfte), Frauen, die den Konsum vor der Empfängnis eingestellt hatten (etwa jede Vierte), eine Mehrheit, die vor Bekanntwerden der Schwangerschaft Alkohol konsumiert hatte, aber sofort nach der Feststellung damit aufgehört hatte (fast die Hälfte), und eine Minderheit (etwa 5 %), die den Konsum auch nach Bestätigung der Schwangerschaft fortsetzte.

Laut derselben Umfrage wissen 90 % der teilnehmenden Schwangeren, dass der Verzicht auf Alkohol während der Schwangerschaft eine wesentliche Massnahme für die Gesundheit des Babys ist, und etwa drei Viertel haben bereits vom fetalen Alkoholsyndrom (FAS) gehört.

Weitere Informationen und Einzelheiten zur Studie über Alkoholkonsum während der Schwangerschaft können hier gefunden werden.

Auswirkungen des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft

  • Alkoholkonsum während der Schwangerschaft ist eine der wichtigsten vermeidbaren Ursachen für Geburtsfehler und Entwicklungsstörungen[4,5].
  • Informationen dazu, wie sich Alkohol auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes auswirkt, finden sich zum Beispiel unter der Rubrik «Informationen über FASD » oder auf der Website von Praxis Suchtmedizin.
  • Die pränatale Alkoholexposition ist mit einer Vielzahl von Risiken verbunden. Es handelt sich dabei um ein Spektrum von Störungen nach fetaler Alkoholexposition (Englisch: Fetal Alcohol Spectrum Disorder, FASD). Dazu zählt auch das Fetale Alkoholsyndrom (FAS), die gravierendste Form von FASD.
  • Eine Diagnose des FAS wird gestellt, wenn Gesichtsanomalien, Wachstumsstörungen und eine Schädigung oder Funktionsstörung des Zentral-Nervensystems vorliegen.
  • Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 1 und 4 % aller Neugeborenen in Europa von FASD betroffen sind. In der Schweiz entspricht dies mindestens 1’700 Kindern pro Jahr (wobei manche Schätzungen von bis zu 4’000 ausgehen), von denen 170 bis 400 Kinder eine schwere Form (also FAS) aufweisen[6].

Gut zu wissen

Bei jüngeren Frauen ist es wichtig, Informationen und Empfehlungen bereits vor der Schwangerschaft zu vermitteln, da ungeplante Schwangerschaften hier häufiger vorkommen. In jedem Fall wird empfohlen, bei Verdacht auf eine Schwangerschaft – beispielsweise bei Ausbleiben der Menstruation oder körperlichen Veränderungen – den Konsum von Alkohol oder anderen psychoaktiven Substanzen einzustellen, bis das Ergebnis eines Schwangerschaftstests vorliegt.

In den meisten Leitlinien für Gesundheitsfachkräfte wird empfohlen, Frauen im gebärfähigen Alter systematisch und so früh wie möglich aufzuklären, wobei Informationen zur Gesundheitsförderung mit Informationen über Alkohol, Tabak und gegebenenfalls andere psychoaktive Substanzen kombiniert werden sollten

Wenn ein problematischer Konsum besteht, sollte auf mögliche Unterstützungsangebote hingewiesen werden und es sollten – solange der Konsum nicht reduziert wird – sichere Verhütungsmethoden empfohlen werden.

Wenn ein problematischer Alkoholkonsum nicht vor der Empfängnis festgestellt werden konnte, respektive wenn er weiter besteht, liegt das Hauptziel darin, die Frau darin zu unterstützen, ihren Alkoholkonsum zu verringern oder ganz darauf zu verzichten.

Tabak- und Nikotinkonsum

Prävalenz

Laut der Gesundheits- und Lifestyle-Umfrage von 2025 konsumiert etwa jede fünfte Frau im Alter von 20 bis 44 Jahren mindestens einmal im Monat Tabak- oder Nikotinprodukte, sei es zum Inhalieren oder zur oralen Einnahme. So nutzen in dieser Altersgruppe etwa 5% der Frauen mindestens einmal im Monat eine E-Zigarette und mehr als 10% eine herkömmliche Zigarette[7].

Einer bereits einige Jahre zurückliegenden Studie zufolge hatten 7 % der Schwangeren in der Schweiz während ihrer Schwangerschaft geraucht, und jede Zehnte hatte damit aufgehört. Insgesamt sind es eher die etwas älteren Frauen, die mit dem Rauchen aufhörten, als sie erfuhren, dass sie schwanger waren. Vielleicht liegt es daran, dass es für sie schwieriger ist, überhaupt schwanger zu werden, und dass sie sich den Risiken vielleicht besser bewusst sind[8].

Auswirkungen auf das Kind

Der Konsum von Tabak- und/oder Nikotinprodukten während der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen sowie für Gesundheitsprobleme beim Fötus und beim Neugeborenen. Dazu gehören unter anderem das Risiko einer Frühgeburt, einer intrauterinen Wachstumsverzögerung, eines niedrigen Geburtsgewichts, einer Fehlgeburt sowie des plötzlichen Kindstods[9]. Diese Risiken sind zum einen auf eine verminderte Durchblutung der Plazenta und zum anderen auf die direkte toxische Wirkung verschiedener Bestandteile von Tabak- und Nikotinprodukten auf die Plazenta und den Fötus zurückzuführen.

Gut zu wissen

Alle Frauen, die Tabak und/oder Nikotin konsumieren, sollten Unterstützung erhalten, um ihren Konsum einzustellen. Besondere Aufmerksamkeit sollte jungen Frauen gelten, da sie eher dazu neigen, ihren Konsum während der Schwangerschaft nicht anzupassen und weiter zu rauchen[10]. Nicht vergessen darf man Frauen, denen es gelungen ist, den Konsum von Tabak- und/oder Nikotinprodukten einzustellen, da sie möglicherweise Unterstützung benötigen, um Rückfälle zu vermeiden.

Es wird empfohlen, den Konsum von Tabak und Nikotin vollständig einzustellen, d. h. einschliesslich E-Zigaretten und oraler Tabakprodukte (Snus und Nikotinbeutel), da diese Produkte meist nicht nur Nikotin, sondern auch andere giftige Substanzen enthalten. Eine wichtige zu vermittelnde Botschaft lautet: «Als Fachperson im Gesundheitswesen empfehlen wir allen schwangeren Frauen, den Konsum von Tabak- und Nikotinprodukten vollständig einzustellen. Wir begleiten werdende Eltern bei diesem Vorhaben.»

Der Partner oder die Partnerin sollte sich zudem über die Risiken des Passivrauchens (das nicht nur mit dem Rauch von Zigaretten und erhitzbaren Tabakprodukten, sondern auch mit dem Dampf von E-Zigaretten zusammenhängt) sowie über Möglichkeiten zum Schutz davor informieren. Mit gutem Beispiel voranzugehen ist eine wirksame Unterstützung für die schwangere Partnerin, den Konsum von Tabak- oder Nikotinprodukten einzustellen.

Cannabis und andere iIllegale psychoaktive Substanzen

Prävalenz

Laut der Schweizer Gesundheitsbefragung von 2022 haben 16 % der Frauen im Alter von 20 bis 24 Jahren, 9 % der Frauen im Alter von 25 bis 34 Jahren und 3 % der Frauen im Alter von 35 bis 44 Jahren in den 12 Monaten vor der Befragung Cannabis konsumiert[11].

Zudem konsumierten im gleichen Zeitraum etwa 1 % der Frauen im Alter von 20 bis 44 Jahren mindestens eine andere illegale Substanz als Cannabis11. Es liegen keine Zahlen zum Konsum illegaler psychoaktive Substanzen in der Schweiz während der Schwangerschaft vor[12].

Auswirkungen auf das Neugeborene

Im Allgemeinen kann der Konsum von illegalen psychoaktiven Substanzen zu einer Wachstumsstörung des Fötus führen, die sich durch ein geringes Geburtsgewicht, einer geringeren Körpergrösse und einem kleinen Kopfumfang äussert. Medizinische Komplikationen wie Frühgeburt (frühzeitiges Einsetzen der Wehen bei beispielsweise Heroin oder Amphetaminkonsum) und Infektionen treten häufig auf.

Der Konsum von Cannabis kann die Fruchtbarkeit von Frauen, aber auch von Männern verringern. Bei einer Schwangerschaft gelangt THC über die Plazenta direkt durch den Blutkreislauf zum Fötus. Beim Stillen können einige Cannabinoide in die Muttermilch übergehen. Studien deuten darauf hin, dass der Konsum negative Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung des Kindes hat und zu langfristigen neuronalen und kognitiven Entwicklungsstörungen führt, wie Aufmerksamkeitsdefizite, aggressives Verhalten, Impulsivität, Gedächtnisprobleme sowie Symptome von Depressionen und Angstzuständen[13]. Zudem wurde ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten und ein niedriges Geburtsgewicht festgestellt[14].

Der Konsum von Kokain kann zu einer Verengung der Blutgefässe führen, wodurch dem Fötus Sauerstoff und Nährstoffe vorenthalten werden können. Dies kann zu Wachstumsverzögerungen und neurologischen Entwicklungsstörungen beim Neugeborenen sowie zu Frühgeburten führen. Bei der Mutter besteht ein erhöhtes Risiko einer Plazentaablösung, die zu Blutungen führen kann[15].

Der Konsum von Methamphetamin während der Schwangerschaft setzt das Kind dem Risiko von Geburtsfehlern, einer verzögerten körperlichen Entwicklung (niedriges Geburtsgewicht und geringe Körpergröße) sowie langfristigen neurokognitiven oder Verhaltensstörungen aus, wie zum Beispiel: Entwicklungsverzögerungen, Depressionen oder Angstzustände, aggressives Verhalten oder Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)[16].

Im Falle von Opiaten gelangen diese über die Plazenta direkt in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes. Diese chronische Exposition kann die Entwicklung des Babys schwerwiegend beeinträchtigen, das Risiko einer Frühgeburt verdoppeln und zu einer durchschnittlichen Verringerung des Geburtsgewichts um 480 Gramm führen. Aus klinischer Sicht geht der Konsum von Opioiden häufig mit einer hormonellen Störung einher, die bei mehr als jeder zweiten Frau zu einer Amenorrhö (Ausbleiben der Menstruation) führt, was erklärt, warum eine Schwangerschaft oft erst spät festgestellt wird. Bei der Geburt weisen die meisten Neugeborenen ein neonatales Entzugssyndrom auf, dessen Behandlung durch Stillen erleichtert werden kann, da dieses die Schwere der Entzugserscheinungen mildert. Es gibt Substitutionsbehandlungen, um die Gesundheit der Mutter zu stabilisieren und das Kind zu schützen[17].

Gut zu wissen

Unerwünschte Wirkungen im Zusammenhang mit der pränatalen Exposition gegenüber bestimmten illegalen Substanzen können auch mit anderen Faktoren zusammenhängen, wie z. B. dem sozioökonomischen Hintergrund, negativen Umwelteinflüssen oder unzureichender pränataler Versorgung. Zu den Herausforderungen für Fachpersonen zählen der Aufbau einer vertrauensvollen, nicht wertenden Beziehung und die Bereitschaft zur Flexibilität in Anbetracht der oft schwierigen Situation der Frauen, z. B. bei verspäteten oder versäumten Terminen. Es müssen Schritte unternommen werden, um verstärkt multidisziplinäre Unterstützung und Psychoedukation anzubieten (Informationen zu Auswirkungen von Substanzen auf Embryo und Fötus, Fragen zur Verhütung etc.).

Eine schwangere Frau, die solche Substanzen konsumiert, muss so schnell wie möglich an eine spezialisierte gynäkologisch-geburtshilfliche Abteilung (in der Regel in Kantons- und Universitätsspitälern) überwiesen werden, um dort untersucht und beraten zu werden (Anpassung der medikamentösen Behandlung, teilweiser Entzug, Substitutionsbehandlung, Entlastung bei sozialen Problemen).

 


[1] Labhart, F. (2026). Consommation d’alcool durant la grossesse – Enquête sur l’adoption du principe de précaution, les obstacles et les groupes à risque. Rapport de recherche N° 186. Lausanne: Addiction Suisse. doi: 10.58758/rech186

[2] Bundesamt für Gesundheit [BAG]. Schweizerisches Gesundheitsobservatorium [Obsan]. (2024). Alkoholkonsum (Alter: 15+) (MonAM-Indikator) [Internet]

[3] Bundesamt für Gesundheit [BAG]. Schweizerisches Gesundheitsobservatorium [Obsan]. (2024). Episodisch risikoreicher Alkoholkonsum (Alter: 15+) (MonAM-Indikator) [Internet]

[4] Andreasson, S., Chikritzhs, T., Dangardt, F., Holder, H., Naimi, T., & Stockwell, T. (2020) Alcohol and Society 2020 : Alcohol, pregnancy and infant health – a shared responsibility. Swedish Society of Nursing, SFAM, SAFF, CERA & IOGT-NTO [Internet] [zitiert am 20. Mai 2026]

[5] Popova, S., Lange, S., Shield, K., Mihic, A., Chudley, A. E., Mukherjee, R. A. S., Bekmuradov, D., & Rehm, J. (2016). Comorbidity of fetal alcohol spectrum disorder : A systematic review and meta-analysis. The Lancet, 387(10022), 978‑987. [mars 2016]

[6] Bundesamt für Gesundheit [BAG]. (2018). Alkoholkonsum während der Schwangerschaft in der Schweiz – Faktenblatt [Internet]

[7] Bundesamt für Gesundheit [BAG]. Schweizerisches Gesundheitsobservatorium [Obsan]. (2024). Tabak- und Nikotinkonsum nach Produkt (Alter: 15+) (MonAM-Indikator) [Internet]

[8] Gmel G., Notari L. (2018). Alkohol- und Tabakkonsum während der Schwangerschaft in der Schweiz. Auswertung der Suchtmonitoring-Befragung 2011-2016 – Kommentierte Grafiken. Lausanne: Sucht Schweiz

[9] U.S. Department of Health and Human Services (2014). The Health Consequences of Smoking : 50 Years of progress. A Report of the Surgeon General [Internet]. Atlanta, GA: U.S. Department of Health and Human Services, Centers for Disease Control and Prevention, National Center for Chronic Disease Prevention  and Health Promotion, Office on Smoking and Health. [zitiert am 22. Juni 2026]

[10] Dochez V, Diguisto C. Épidémiologie et facteurs de risque de la consommation de tabac au cours de la grossesse (hors coaddictions) — Rapport d’experts et recommandations CNGOF-SFT sur la prise en charge du tabagisme en cours de grossesse. Gynécologie Obstétrique Fertil Sénologie. [Juli 2020]; 48(7‑8):546‑50.

[11] Bundesamt für Gesundheit [BAG]. Schweizerisches Gesundheitsobservatorium [Obsan]. (2024). Cannabiskonsum (Alter: 15–64) (MonAM-Indikator) [Internet]

[12] Bundesamt für Gesundheit [BAG]. Schweizerisches Gesundheitsobservatorium [Obsan]. (2024). Konsum illegaler Substanzen (ohne Cannabis; Alter: 15–64) (MonAM-Indikator) [Internet]

[13] Lo JO, Hedges JC, Girard G. Impact of cannabinoids on pregnancy, reproductive health and offspring outcomes. Am J Obstet Gynecol. [oct 2022]; 227(4):571‑81. doi:10.1016/j.ajog.2022.05.056 PubMed PMID: 35662548; PubMed Central PMCID: PMC9530020

[14] Badowski, S., & Smith, G. (2020). Cannabis use during pregnancy and postpartum. Canadian Family Physician, 66:98‑103.

[15] Dos Santos JF, De Melo Bastos Cavalcante C, Barbosa FT, Gitaí DLG, Duzzioni M, Tilelli CQ, et al. Maternal, fetal and neonatal consequences associated with the use of crack cocaine during the gestational period: a systematic review and meta-analysis. Arch Gynecol Obstet. [sept 2018]; 298(3):487‑503.

[16] Tomášková A, Šlamberová R, Černá M. Influence of Prenatal Methamphetamine Abuse on the Brain. Epigenomes [14 juill 2020]. 4(3):14. doi:10.3390/epigenomes4030014

[17] Corsi DJ, Murphy MSQ. The Effects of opioids on female fertility, pregnancy and the breastfeeding mother‐infant dyad: A Review. Basic Clin Pharmacol Toxicol [mai 2021]. 128(5):635‑41.