Viel Druck und Erwartungen in der Schwangerschaft
Eine klare Orientierung ist essenziell
Während der Schwangerschaft können Frauen verschiedenen Stressfaktoren ausgesetzt sein. Ihnen wird die moralische Verantwortung übertragen, ja kein Risiko einzugehen, sich vorbildhaft zu verhalten, um ihrem Kind auf keinen Fall zu schaden.
Zunehmend fragen sich Partner, wie sie sich am besten verhalten sollen, um ihre schwangere Frau und ihr Baby zu unterstützen.
Soziale Erwartungen und wissenschaftliche Empfehlungen sowie Ratschläge von Angehörigen, Blogger und Bloggerinnen oder Influencer und Influencerinnen in den sozialen Netzwerken sind zahlreich und stehen sich manchmal widersprüchlich gegenüber.
Angesichts dieser Fülle an Informationen kann es Paaren schwerfallen, sich zurechtzufinden und den Mut aufzubringen, sich an Fachpersonen zu wenden, um Fragen zu psychoaktiven Substanzen und deren Folgen oder zu ihrem eigenen möglichen Konsum zu stellen.
Auch für Fachleute kann es schwierig sein, alle Fragen zu beantworten und Patientinnen und deren Partner zu ermutigen, Fragen zu stellen, da dieses Thema immer noch tabuisiert ist.
Hindernisse oder Barrieren im oder für das Gespräch
Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft lässt sich nicht sagen, dass es eine bestimmte Alkoholmenge oder einen bestimmten Zeitpunkt in der Schwangerschaft gibt, zu dem der Alkoholkonsum für den Embryo oder Fötus risikofrei wäre. Daher lautet die wichtigste Empfehlung, während der Schwangerschaft keinen Alkohol zu trinken. Nur so lassen sich alle Risiken vermeiden, die mit einer pränatalen Alkoholexposition verbunden sind. Gelegentlicher übermässig hoher Alkoholkonsum stellt ein besonderes Risiko dar. Es ist jedoch unmöglich, genau zu bestimmen, welche Folgen der Alkoholkonsum für eine individuelle Schwangerschaft haben wird.
- Erschwerend ist, dass es auch Schwangere oder Frauen, die schwanger werden möchten, vermeiden, über den eigenen Konsum zu sprechen.
- Manche sind sich der negativen Folgen des Alkoholkonsums nicht bewusst.
- Andere fürchten, als schlechte Mutter wahrgenommen zu werden.
- Einige kennen bestehende Unterstützungsangebote nicht.
- Wieder andere bilden sich anhand von widersprüchlichen Ratschlägen im Internet oder in den Sozialen Medien ihre eigene Meinung. Oft wird es jedoch unterlassen, die Richtigkeit der gefundenen Informationen mit einer Fachperson zu erörtern.
- Kultur und Traditionen können die Sichtweise zu Alkoholkonsum während der Schwangerschaft ebenfalls beeinflussen.
- Auch Sprachbarrieren erschweren das Verständnis der Empfehlungen.
Fachpersonen spielen eine wichtige Rolle bei der Aufklärung von Frauen, die schwanger sein könnten oder werden wollen. Sehen Sie sich das Video an: Asking questions about alcohol in pregnancy, das auf Englisch auf der Website fasdhub.org.au verfügbar ist und zeigt, wie wichtig es ist, das Thema Alkoholkonsum während der Schwangerschaft anzusprechen.
Das Thema Alkoholkonsum während der Schwangerschaft ansprechen
Es gibt verschiedene Ansätze, welche Fachkräften helfen können, das Thema Alkoholkonsum während der Schwangerschaft mit Schwangeren und deren Umfeld anzusprechen.
- Informiert zu sein über die aktuellen Empfehlungen und Grundlagen, um fundierte und situationsgerechte Gespräch zu führen.
- Ansprechen des Themas im Rahmen eines allgemeineren Gesprächs: Wie geht es der Patientin generell? Was sind andere wichtige Themen, die es zu besprechen gilt? In diesem Rahmen ist es einfacher, auch heikle Themen anzusprechen.
- Einnehmen einer offenen und wohlwollenden Haltung, zum Beispiel nach der Methode der Motivierenden Gesprächsführung, welche Gespräche erleichtert und positivere Resultate erzielt.
- Bereitstellen und erläutern von verschiedenen Informationsmaterialien, um Gespräche zur Thematik anzuregen und die Website schwangerschaft-ohne-alkohol.ch zu empfehlen. Das Informationsmaterial kann an Schwangere und deren Umfeld verteilt oder in Wartezimmern ausgelegt werden: Broschüren, Visitenkarten, Plakate.