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Tabak und andere psychoaktive Substanzen während der Schwangerschaft

Psychoaktive Substanzen wie Tabak, Nikotin, Cannabis und illegale Substanzen können schädliche Auswirkungen auf die Schwangerschaft und das Baby haben. Alle diese Substanzen gelangen über den Blutkreislauf der Mutter zum Baby. Bei einem regelmässigen Konsum kann es zu Entzugserscheinungen bei Neugeborenen kommen, wenn diese bestimmten psychotropen Substanzen während der Schwangerschaft ausgesetzt waren.

Hinweis: Auch bei Medikamenten ist Vorsicht geboten. Die Einnahme von Medikamenten sollte nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin und/oder einem Fachapotheker bzw. einer Fachapothekerin eingenommen werden.

Tabak – und Nikotinprodukte

Sowohl der aktive Konsum von Tabak- und/oder Nikotinprodukten als auch das Einatmen von Tabakrauch oder Aerosolen aus E-Zigaretten erhöhen das Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft und können die Entwicklung des Babys beeinträchtigen.

Die inhalierten (z.B. durch E-Zigaretten) oder oral aufgenommenen Schadstoffe (z.B. durch Snus) gelangen über den Blutkreislauf der Mutter und die Plazenta zum Baby und können dessen Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen beeinträchtigt (17).

Der Konsum von Tabakprodukten erhöht das Risiko ein Kind mit niedrigem Geburtsgewicht zur Welt zu bringen, sowie das Risiko für Früh- und Fehlgeburten. Auch andere Nikotinprodukte, ebenso wie nikotinfreie E-Zigaretten, können die Entwicklung des Babys beeinträchtigen und sollten während der Schwangerschaft vermieden werden.

Wer stillt sollte den Konsum von Tabak- und Nikotinprodukten vermeiden. Nikotin und andere darin enthaltende Schadstoffe können in die Muttermilch gelangen und so an das Baby weitergegeben werden. Wenn Ihnen das Aufhören schwerfällt, konsumieren Sie Tabak- und Nikotinprodukte möglichst direkt nach dem Stillen, da die Nikotinkonzentration in der Muttermilch mit der Zeit abnimmt.

Während einer Schwangerschaft ist es ratsam, sich in rauchfreien Bereichen aufzuhalten. Für das gesunde Heranwachsen von Säuglingen und Kindern ist eine rauchfreie Umgebung wichtig

Idealerweise hören Sie mit dem Konsum von Tabak- und Nikotinprodukten (einschliesslich E-Zigaretten ohne Nikotin) vor der Schwangerschaft auf. Wenn das nicht möglich war, hilft ein Rauchstopp zu jeder Zeit der Schwangerschaft sowohl dem Kind als auch der Mutter. Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören, nicht einmal in den letzten Wochen der Schwangerschaft. Nikotinersatzprodukte zur Unterstützung des Rauchstopps sollten während der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer anderen Gesundheitsfachperson angewendet werden.

STOP SMOKING.ch und Rauchstopplinie 0848 000 181

Cannabis

Der Konsum von Cannabis kann die Fruchtbarkeit sowohl von Frauen wie auch Männern beeinträchtigen. Während der Schwangerschaft gelangt THC (Tetrahydrocannabinol), der Hauptwirkstoff von Cannabis mit psychoaktiver Wirkung, über den Blutkreislauf und die Plazenta zum Baby. Auch beim Stillen können Cannabinoide in die Muttermilch gelangen und so vom Baby aufgenommen werden.

Cannabiskonsum wird mit einer Beeinträchtigung der Gehirnentwicklung des Kindes sowie mit langfristigen neurokognitiven und Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung gebracht. Dazu gehören unter anderem Aufmerksamkeitsprobleme, aggressives Verhalten, Impulsivität, Gedächtnisprobleme sowie Symptome von Depressionen und Angstzuständen (21). Bei Cannabiskonsum kommen Babys häufiger kleiner oder zu leicht zur Welt, da die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen im Mutterleib durch den Konsum beeinträchtigt wird (22,23).

Wird Cannabis zusammen mit Tabak konsumiert, kommen die gesundheitlichen Risiken des Tabakkonsums hinzu.

Es wird daher empfohlen, während der Schwangerschaft und der Stillzeit keinerlei Cannabis in irgendeiner Form zu konsumieren

Kokain

Der Konsum von Kokain führt zu einer Verengung oder sogar zu einem Krampf der Blutgefässe, was die Versorgung des Babys mit Sauerstoff und Nährstoffe beeinträchtigt und zum Verlust des Babys führen kann. Dies erhöht das Risiko für Wachstumsverzögerungen, ein niedriges Geburtsgewicht und Frühgeburten. Kokain kann beim Kind zudem Atemwegs- und Verhaltensstörungen auslösen und die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko einer Plazentaablösung, die zu schweren Blutungen führen kann.

Während der Stillzeit sollte auf Kokainkonsum verzichtet werden, da Kokain in die Muttermilch übergeht und beim Säugling schwerwiegenden Symptomen wie Krampfanfällen und Herz-Kreislauf-Instabilität verursachen kann. Falls Kokain, Crack oder Freebase konsumiert wird, wird dringend davon abgeraten zu Stillen, da Kokain und seine Abbauprodukte noch über einen längeren Zeitraum in der Muttermilch nachweisbar sein können. Ebenfalls sollte vermieden werden, dass Babys passivem Crack-Rauch ausgesetzt sind.

Schwangere und Stillende, die Kokain, Crack oder Freebase konsumiert haben oder konsumieren, sollten sich so früh wie möglich an spezialisierte gynäkologisch-geburtshilfliche Abteilung (in der Regel in Kantons- und Universitätsspitälern) wenden, um sich dort beraten zu lassen.

Methamphetamin

Mögliche Folgen: Drogen gelangen über den Blutkreislauf zum Ungeborenen. Schwere Entwicklungsstörungen und andere Probleme sind möglich. Insbesondere bei Frauen mit schweren Drogenproblemen beeinflussen auch ihre Lebensbedingungen die Schwangerschaft. Etwa wenn sie unzureichend medizinisch versorgt sind oder sozioökonomische Probleme haben.

Stillen: Drogen gelangen in die Muttermilch.

Schwangere und Stillende, die Methamphetamin konsumiert haben oder konsumieren, sollten sich so früh wie möglich an spezialisierte gynäkologisch-geburtshilfliche Abteilung (in der Regel in Kantons- und Universitätsspitälern) wenden, um sich dort beraten zu lassen.

Opioide

Opioide gelangen bei einem Konsum während der Schwangerschaft über den Blutkreislauf und die Plazenta zum Baby. Der Konsum kann die Entwicklung des Babys schwerwiegend beeinträchtigen. Das Risiko einer Frühgeburt ist erhöht und betroffene Babys kommen mit einem geringeren Geburtsgewicht zur Welt.

Nach der Geburt entwickelnd die Neugeborenen häufig ein Entzugssyndrom. Die Behandlung kann durch Stillen erleichtert werden, da dieses die Schwere der Entzugserscheinungen mildert, sofern keine Gegenanzeigen bestehen und dies unter einer ärztlich begleiteten Substitutionsbehandlung stattfindet. Es gibt Substitutionsbehandlungen für während der Schwangerschaft, um die Gesundheit der Mutter zu stabilisieren und die Risiken für das Kind zu reduzieren.

Regelmässiger Opioidkonsum kann den Hormonhaushalt beeinflussen und zu Menstruationsstörungen oder einem Ausbleiben der Menstruation führen. Deshalb werden Schwangerschaften von Betroffenen teilweise erst spät erkannt.

Schwangere und Stillende, die Opiate oder andere illegale Substanzen konsumiert haben oder konsumieren, sollten sich so früh wie möglich an spezialisierte gynäkologisch-geburtshilfliche Abteilung (in der Regel in Kantons- und Universitätsspitälern) wenden, um sich dort beraten zu lassen.

Von FASD betroffen?

Überlegen Sie, ob ein Kind, das Sie kennen, an einer Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD) leiden könnte? Denken Sie, dass Sie selbst betroffen sein könnten?

FASD: Wie erkennen?

Achtung: Bei einem Verdacht, ist es wichtig, mit einer Fachperson zu sprechen. Mögliche Folgen alkoholbedingter Hirnschädigungen sind hier aufgeführt. Jedes dieser Symptome könnte aber auch andere Ursachen haben.

Säuglinge

Die neurologischen Störungen beeinträchtigen unter anderem den Schlaf, den Saugreflex, die Motorik und den Sehsinn:

  • Probleme mit der Anpassungsfähigkeit an Stimuli (Licht, Töne, Berührungen)
  • Viele automatische Bewegungen (Reflexe) verschwinden normalerweise nach einigen Monaten. Bei FASD können sie länger andauern. Zum Beispiel der Moro-Reflex oder der Greifreflex.
  • Erhöhter oder verringerter Muskeltonus, Saug- und Schluckreflex
  • Häufige Schlafstörungen (Probleme mit Einschlafen und Durchschlafen)
  • Wiegen und repetitive Bewegungen (können über das Säuglingsalter hinaus andauern)
  • Störungen bei der motorischen Entwicklung (Gleichgewicht, Koordination – Probleme können andauern)
  • Sehstörungen, Probleme der Feinmotorik, Zittern (Probleme können andauern)

Kinder im Vorschulalter

Die neurologischen Störungen beeinträchtigen die motorische Entwicklung, die Kontrolle von Gefühlen und das soziale Verhalten.

  • Verlangsamtes Lernen (motorisch, sprachlich, sich anziehen können etc.)
  • Probleme, Gefühle und Verhalten zu kontrollieren (dies führt z. B. zu lang andauernden Wutanfällen)
  • Probleme mit der Konzentration
  • Unangemessenes soziales Verhalten (wegen Schwierigkeiten bei der Unterscheidung zwischen vertrauten und fremden Menschen)

Schulkinder

Die neurologischen Störungen beeinträchtigen den Erwerb von Grundkenntnissen, die Planung, den Zeitbegriff, das Bewusstsein für Eigentum, die Abstraktionsfähigkeit und das mathematische Denken.

  • Schwierigkeiten beim Lernen von Grundkenntnissen (Buchstaben und Zahlen erkennen, Schreiben, Rechnen)
  • Schwierigkeiten beim komplexen Lernen (Textverständnis, mathematisches Denken)
  • Eingeschränkte Abstraktions- und Verallgemeinerungsfähigkeit
  • Schwierigkeiten beim Planen, beim Einteilen von Zeit, beim Verständnis für Zeit, für Raum, für Eigentum und für den Wert des Geldes
  • Oft Probleme beim schulischen Lernen, insbesondere in der Mathematik. Betroffene Kinder können ein bestimmtes Lernniveau erreichen, aber sich nicht mehr darüber hinaus entwickeln. Zum Beispiel kann das Erlernen von Additionen funktionieren, aber das Erlernen von Multiplikationen nicht mehr.

Gedächtnis: Schwierigkeiten, sich an eine Anweisungsreihe zu erinnern, sich an eine erfolgreich gelöste Aufgabe vom Vortag zu erinnern, Informationen aufzunehmen und abzurufen etc.

Sprache: Das Sprechen und der sprachliche Ausdruck sind oft gut ausgeprägt. Das führt dazu, dass man diesen Kindern mehr zutraut, als sie tatsächlich können. Das Verstehen bietet Probleme. Betroffene haben oft Schwierigkeiten, bildliche Sprache, Ironie, rasche Dialoge etc. zu erfassen.

Verhaltensregulation: Impulsivität, rascher Übergang von Hyperaktivität zu Passivität, Schwierigkeit, angemessene Aufmerksamkeit zu schenken (zu viel / zu wenig) etc.

Erwachsene

Manche FASD-Betroffene können als Erwachsene autonom leben, viele werden aber wegen ihrer Schwierigkeiten nie ganz unabhängig.

Die Schwierigkeiten, die im Kindes- und Jugendalter bestehen, wirken sich auch im Erwachsenenleben aus. Sie äussern sich als «sekundäre Probleme». Sekundäre Probleme sind Probleme, die wegen der oben beschriebenen Schwierigkeiten entstehen. Betroffene können nicht gut mit Geld umgehen. Sie können Regeln, Gesetze und Konsequenzen von Regelübertretungen nicht gut erfassen. Viele gehen risikohafte (sexuelle) Beziehungen ein. Betroffene haben auch ein erhöhtes Risiko, Suchtmittelprobleme zu entwickeln.

FASD: Was tun?

Achtung: Es ist wichtig, mit Fachpersonen über die Situation und über Unterstützungsmöglichkeiten zu sprechen. Hier folgen nur Hinweise zu einigen wichtigen Punkten.

Kinder

Die Kinder und auch ihr Umfeld sind betroffen. Viele betroffene Kinder brauchen sehr viel Unterstützung.

Eine frühe Diagnose (möglichst vor 6 Jahren), ein stabiles, anregendes und strukturiertes Zuhause sowie Zugang zu kompetenten Fachstellen können die Auswirkungen der Schädigungen und das Ausmass der Behinderung mindern.

Es ist wichtig, Anzeichen für alkoholbedingte Schädigungen frühzeitig zu erkennen. Dies ermöglicht, die Schwierigkeiten richtig zu interpretieren, mit denen ein Kind konfrontiert ist. So lässt sich auch besser einschätzen, welche Erwartungen an das Kind und welche Ziele realistisch sind.

Es ist wichtig, zu wissen: Es ist nicht so, dass das Kind nicht will – es KANN nicht! Das Kind ist nicht «unwillig».

Wenn man weiss, welches Problem das Kind hat, kann man es in seinem Potenzial besser unterstützen. Man kann Verhaltensprobleme besser verstehen und auffangen. Man kann bei Entmutigung, Selbstwertproblemen, Risikoverhalten, Empfänglichkeit für «schlechte Einflüsse» etc. klarer und gezielter reagieren.

Im Alltag:

  • Präzise und knapp formulieren: einfache Worte, kurze Sätze, keine Ironie
  • Wiederholen: Das Kurzzeitgedächtnis des Kindes ist beeinträchtigt. Es vergisst, auch wenn es sich zu erinnern versucht. Zuerst wiederholen, dann Eselsbrücken geben; so wird die Erinnerung des Kindes unterstützt und es bleibt mit dem Gesagten nicht allein.
  • Routine schaffen: Gewohnheiten beruhigen. Veränderungen voraussehen und das Kind darauf vorbereiten, gleichbleibende Aktivitäten einplanen, auch gemeinsame Aktivitäten mit anderen Personen.

Weitere Informationen: Fachliche Unterstützung bei FASD und Links zu mehr Informationen und Ratgebern

Erwachsene

Von FASD betroffene Erwachsene sind nicht alle gleich betroffen. Die Schwierigkeiten können unterschiedliche Dinge betreffen. Die Schwierigkeiten sind unterschiedlich gross.

Viele Betroffene sind sich ihrer Einschränkungen bewusst. Aber es ist schwierig für sie, diese zu überwinden. Betroffene können sich z B. oft auch an einfache Handlungsabläufe nicht erinnern. Schon alltägliche Aufgaben sind für sie oft enorm anstrengend.

Die Behinderung ist nicht sichtbar, aber oft schwer. Viele Betroffene können sich sprachlich gut ausdrücken. Das Umfeld erwartet deswegen, dass die Betroffenen mehr verstehen, als sie tatsächlich können. Das kann dazu führen, dass das Umfeld wenig Verständnis aufbringt.

Neben Fachpersonen können Menschen aus dem Umfeld wichtige Unterstützung bieten. Sie können bei der Bewältigung von alltäglichen Aufgaben beistehen. Sie können verlässliche Stützen sein.

Weitere Informationen: Fachliche Unterstützung bei FASD und Links zu mehr Informationen und Ratgebern

Fachliche Unterstützung bei FASD

Fachliche Unterstützung bieten folgende Stellen und Fachpersonen:

Für Kinder: HeilpädagogInnen, NeuropädiaterInnen in Spitälern oder Privatpraxen, psychiatrische Abteilungen mit Spezialisierung für kognitive Entwicklung (z. B. kinder- und jugendpsychiatrische Dienste). Auch andere SpezialistInnen, je nach Symptomen und Bedarf (z. B. Psychomotorik, Heilpädagogik, Logopädie etc.).

Für junge Erwachsene: Medizinisch-psychologische Beratungen für junge Erwachsene, psychiatrische Abteilungen mit Spezialisierung für junge Erwachsene oder Spezialisierung für Probleme mit Emotionsregulation oder für weitere Probleme. Auch andere Fachpersonen, je nach Symptomen und Bedarf (z. B. für Psychomotorik, Psychotherapie, Familienberatung etc.). Spezifische Unterstützung je nach Art der Behinderung, Begleitung im Alltag, Beistandschaft etc. Pro Infirmis bietet für Menschen mit Behinderungen Sozialberatungen an und kann dabei unterstützen, zielführende Lösungen für individuellen Bedarf an Unterstützung zu finden: www.proinfirmis.ch

Für Erwachsene: Fachpersonen je nach Symptomen sowie spezifische Unterstützung je nach Art der Behinderung, Begleitung im Alltag, Beistandschaft etc. Pro Infirmis bietet für Menschen mit Behinderungen Sozialberatungen an und kann dabei unterstützen, zielführende Lösungen für individuellen Bedarf an Unterstützung zu finden: www.proinfirmis.ch

Links zu mehr Informationen und Ratgebern